Sonntags hat man ein bisschen mehr Zeit, Sonntags kann man mal über den Tellerrand schauen.

Fangen wir mit der Handynummer an, das geht fast am einfachsten.
Sie haben meine Telefonnummer, das Telefon dazu steht in meinem Büro. Sollte ich dort nicht ans Telefon gehen können, gibt es dafür folgende Gründe:

  1. Ich sitze gerade im Auto und fahre zu einem Kunden.
    Freisprechanlage hin oder her: Wir wissen alle, dass man weder im Stadtverkehr noch auf der Autobahn konzentriert telefonieren kann. Wenn ich mit Ihnen spreche, möchten Sie aber doch auch meine ungeteilte Aufmerksamkeit, oder?
    Und wollen Sie wirklich als letztes Lebenszeichen von mir das Geräusch eines auslösenden Airbags hören?
  2. Ich bin gerade bei einem Kunden.
    Wenn ich bei Ihnen bin, dann möchten Sie doch auch meine ungeteilte Aufmerksamkeit, oder?
  3. Ich mache gerade ein Pause oder Feierabend.
    Beide dienen dazu, in meinem Gehirn wieder Platz für die frischen Ideen zu schaffen, die Sie so gerne von mir hören.

Sehen Sie? Sie wollen meine Handynummer gar nicht haben.
Sollte ich übrigens mal unterwegs sein und keiner der oben genannten Gründe trifft zu, dann rufen Sie wie immer mein Büro an, Ihr Anruf wird aufs Handy weiter geleitet und ich gehe dran. Ist doch klar.

Das war einfach.

Etwas schwieriger wird das, wenn es zum Beispiel um Bürozeiten geht. Gerade wenn man – so wie ich es ja empfehle – persönlich (genau: aber nicht unbedingt privat) im Social Web unterwegs ist, dann schafft man sich neben dem Telefon ja noch diverse Kanäle, auf denen man plötzlich erreichbar ist: Kommentare, direct messages, Messenger usw.
Und auch die Zeiten, zu denen man die reichweitenstärksten Postings schreibt, decken sich nicht unbedingt mit dem klassischen nine-to-five-Zeiten.
Was also tun, wenn der spätnachmittags um fünf gepostete Artikel dann um halb sieben eine Reaktion hervorruft, am besten noch eine, die nach Geschäftsanbahnung aussieht? Wir leben ja in modernen Zeiten und überall wird die Auflösung des klassischen nine-to-five-Modells und auch der Trennung zwischen Privat- und Berufsleben propagiert.

Nicht ganz so einfach also.

Im Endeffekt muss das natürlich jeder mit sich selber und seinem Burn-Out-o-Meter abmachen.
Aber: Angenommen, ich arbeite für eine Mischung aus konservativen KMU-Unternehmen und hippen Freelancern. Erstere erwarten mich vermutlich ab acht am Schreibtisch, zweitere denken wahrscheinlich nicht darüber nach, ob mein launiges Video um 22:30 mein gute-Nacht-Gruß an die facebook-Follower sein sollte und chatten mich munter an, sie sind ja gerade erst beim Morgenkaffee.
Und schon bin ich von acht bis dreiundzwanzig Uhr verfügbar und mein Kopf schaltet nicht mehr ab. Nie. Das wars dann mit den frischen Ideen.

Was also tun?

Wie gesagt: Im Endeffekt muss das jede und jeder selbst wissen.
Aber wie ich auch im restlichen Umgang mit dem Web immer dazu rate, das Bauchgefühl nicht zu überhören: Es ist auch im Social Web keine Schande, sich abends um elf freundlich mit einem kurzen Satz für die Anfrage zu bedanken und dann zu ergänzen: Ich kümmere mich morgen früh darum, wenn ich wieder am Schreibtisch sitze.

Denken Sie also mal drüber nach. Am besten vorher.

Ach ja, Sie haben es sich vermutlich schon gedacht: Deswegen haben Sie nicht nur nicht meine Handynummer, sondern wir sind auch keine facebook-Freunde. Ich nutze das nämlich privat und Sie wollen das gar nicht.